Erickson Hernandez
Der vier Jahre alte Erickson Hernandez wurde mit einer Art gespaltener Hand geboren. Ein Fall, wie er laut dem Orthopäden Charles Goldfarb, M.D. aus dem Shriners Hospitals for Children® in St. Louis noch nie zuvor dokumentiert worden war.
„Das war ein einmaliger Fall.“ sagte er. „Mein Partner, Dr. (Paul) Manske, der bereits seit über 30 Jahren praktiziert, sagte, dass er so etwas noch nie gesehen habe. Auch in der medizinischen Fachliteratur gibt es dazu nichts.“ (Dr. Manske ist Oberarzt für die oberen Extremitäten im Shriners Hospitals for Children® in St. Louis und Herausgeber des Journal of Hand Surgery, einer Fachzeitschrift zu Handchirurgie.)
Erickson stammt aus dem Westen Guatemalas und wurde mit drei Armen geboren: einem auf der rechten und zwei auf der linken Seite. Die teilweise herausgebildeten Arme auf der linken Seite hatten zwei ganz unterschiedliche und gleichermaßen wichtige Funktionen.
Dr. Goldfarb erläutert, dass der obere Arm von Erickson über ein intaktes Schultergelenk und, besonders wichtig, eine Wachstumsfuge verfügte. „Der untere Arm war fast wie die zweite Hälfte des oberen Arms, mit einem normalen Humerus (dem Knochen, der von der Schulter zum Ellenbogen reicht) und zwei funktionierenden Fingern, besaß jedoch weder Schulter- noch Ellenbogengelenke, die Bewegungen erst ermöglichen.
Es ist sehr selten, dass man überzählige Gliedmaßen zu Gesicht bekommt, ganz zu schweigen von überzähligen Extremitäten,“ sagt Dr. Goldfarb. „Es gibt nur einen anderen dokumentierten Fall von einem Jungen in China, der mit drei Armen geboren wurde, und das erschien in den Massenmedien und nicht in der medizinischen Fachpresse.“
In diesem Fall amputierten die Chirurgen einfach den weniger funktionstüchtigen der beiden Arme auf der einen Seite. Ericksons Situation war aber ganz anders.
Erickson benutzte seine beiden linken Arme in „einzigartiger Kombination“, indem er den unteren Arm mit seinem oberen anhob, um Dinge zu greifen, sagt Kathy Corbett, die seine Behandlung im Shriners Hospitals for Children® in die Wege leitete. Corbett ist die Geschäftsführerin des Verbands St. Louis Chapter of Healing the Children, einer gemeinnützigen Freiwilligenorganisation, die sich dafür einsetzt, dass bedürftige Kinder Spenden für medizinische und chirurgische Behandlungen erhalten.
Als Dr. Goldfarb sah, wie gut die beiden Arme von Erickson funktionierten, war er entschlossen, dem Kind diese Funktionstüchtigkeit zu erhalten.
„Die ideale Lösung für Erickson war, die besten Teile beider Arme zu verwenden,“ sagt Dr. Goldfarb. „Die schlechtere Alternative war, den unteren Arm abzunehmen, da der obere Arm über ein Schultergelenk und eine Wachstumsfuge verfügte. Er hätte dann eine Prothese gebraucht, um seinen oberen Arm zu nutzen. Wir aber hofften auf einen 100%igen Erfolg“, sagt er.
„Wir freuten uns, ihm helfen zu können, aber wir mussten bei der Behandlung sehr kreativ vorgehen,“ fügt Dr. Goldfarb hinzu. Dr. Goldfarb und Dr. Manske und ihr Team haben diesen 100%igen Erfolg erreicht. Die Chirurgen schafften es, die Humerusgelenke vom oberen und vom unteren Arm zu verbinden. Außerdem konnten sie alle Nerven und das Muskelgewebe vom unteren Arm in den oberen integrieren, um die Funktionstüchtigkeit und das Gefühl in den Fingern des unteren Arms auch in Verbindung mit dem oberen beizubehalten.
„Ich glaube, er wird mit seinem Arm alles machen können, was er will,“ sagt Dr. Goldfarb. „Sein Arm wird ihn im Leben nicht behindern.“
Und es ist sein Arm. „Das ist nicht mein neuer Arm, das ist mein linker Arm. Das hat mir Miss Valerie so gesagt,“ erklärt der Kleine.
Das Ärzteteam um Erickson, zu dem Dr. Goldfarb und Dr. Manske sowie die Physiotherapeutin Valerie Calhoun gehören, schreibt derzeit einen Artikel, der in medizinischen Fachzeitschriften veröffentlicht werden soll, in der Hoffnung, dass dieses erfolgreiche Unterfangen auch anderen Kindern nutzen wird.
Erickson musste neben den Eingriffen an seinem Arm auch eine Verwachsung in der Wirbelsäule operativ entfernen lassen, die in Zukunft zu einer Lähmung hätte führen können, und seine Skoliose musste ebenfalls chirurgisch behandelt werden. Er wird noch einige Jahre regelmäßig in die Klinik kommen müssen, um die Stäbe, die in seine Wirbelsäule implantiert wurden, verlängern zu lassen.